9 Meister

EINFÜHRUNG

9 Meister ist eine Hommage an die kulturelle und religiöse Vielfalt Berlins Anfang des 21. Jahrhunderts. Neun repräsentative Vertreter aus neun historisch gewachsenen Religionen der Welt, alle in der Stadt ansässig, äußern sich zu grundlegenden Fragen des menschlichen Geistes und der menschlichen Existenz. Bilder und Musik aus der liturgischen Praxis der verschiedenen Glaubensgemeinden begleiten die Antworten der Protagonisten. 9 Meister enthält die Essenz aus über 150 Stunden abgedrehtem Filmmaterial. Aus neun unterschiedlichen Blickwinkeln entstand ein Dokument des religiösen Lebens in der Metropole. Im Kaleidoskop der Glaubensinhalte, philosophischen Werte und Lebensweisen unterschiedlicher Menschen und Kulturen der großen Stadt entstand ein Film, welcher letztlich nur einen einzigen Protagonisten kennt: den Menschen als solchen.

Fragen

Was ist der Tod, was ist das Leben?
Gibt es göttliches Sein an sich oder ist Gott ein Gedanke?
Wer ist er?
Hat das Göttliche den Menschen oder der Mensch den Gott erschaffen?

Was ist dann Religion selbst, welche Funktionen hat sie?
Nutzt sie uns noch?
Gibt es ein offenes Verhältnis der verschiedenen Religionen zueinander?
Wo vereinigen Religionen die Kulturen und wo grenzen sie sie voneinander ab?

Welches Verhältnis besteht heute zwischen dem spirituellen Gefühl des Einzelnen und den kultischen Traditionen und Überlieferungen der Religionsgemeinschaft?
Sollten wir unsere religiöse Intuition lebendig erhalten?
Und wie?

Multikulturalismus

Das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen ist auf unserem Planeten noch nie eine Selbstverständlichkeit gewesen. Überwältigung, Spannungen, Unruhen, Intoleranz, Rassismus und Gewalt, das Spiel mit der Macht und der Krieg prägen historisch die Vorstellungen vom Aufeinandertreffen mit dem Fremden. Heutzutage verändert sich zudem die Welt auf verwirrende Weise und mit scheinbar exponentieller Geschwindigkeit. Anfang des 21. Jahrhunderts ist unser Planet so klein geworden wie noch nie. Im Zeitalter der Digitalisierung, der geopolitischen und wirtschaftlichen Globalisierung reisen Menschen, Waren und Informationen mit immer schnellerer Geschwindigkeit durch Grenzen, über Staaten und Kontinente.

Migration

Metropolen von unterschiedlichster terrestrischer Bannkraft auf allen Erdteilen entwickelten sich zu Schmelztiegeln der verschiedenen Kulturen und Identitäten. So wirft dieser von uns so intensiv gefühlte Moment einer akzelerierten globalen Vernetzung Schlaglichter auf unsere Vergangenheit – auch und besonders auf die Vergangenheit unserer religiösen Mentalität, unseres Daseins als materiell-spirituelle Wesen. Denn Religionen mussten über das individuelle Heil hinaus schon immer Antworten finden auf das Zusammentreffen der Kulturen und effektive Angebote unterbreiten zum geistigen und seelischen Austausch zwischen den Menschen unterschiedlicher Herkunft.

Identität

Vielfältig sind die Faktoren, die die religiöse Identität des Einzelnen prägen – individualgeschichtlich, sprachlich, soziokulturell (u.a.). Sie charakterisieren die Eigenheiten der Menschen wie auch ihre Beziehungen zueinander. Im nativen Umfeld gelten die gängigen zu erwartenden Identitätsmerkmale für den Einzelnen als „normal“, zumeist von einer Mehrheit getragen, gesellschaftlich akzeptiert, gemeinschaftlich praktiziert. In der Migration aber, wo sämtliche identitätsstiftenden Zusammenhänge im Spannungsverhältnis zwischen Anpassung und Bewahrung eine drastische Änderung durchlaufen müssen, erscheint der Einzelne umgepflanzt wie ein Baum, plötzlich neuem Boden und unbekanntem Klima ausgesetzt. Im Glücksfall im Kreis seiner mitverpflanzten Familie oder anderer Schicksalsgenossen, im Unglücksfall allein – in jedem einzelnen Fall eine existentielle Herausforderung, die bewältigt werden will und muss.

9 Meister

9 Meister konzentriert sich vor diesem Problemhorizont auf die spezifisch religiösen Aspekte des aktuellen soziokulturellen Aufeinandertreffens. Die Repräsentanten verschiedener Religionen geben ihre Antwort darauf, indem sie sich selbst und ihre Religionsgemeinschaft darstellen und erklären.